ungesunde Kosmetik

Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass Inhaltsstoffe zu ernsthaften Gesundheitsrisiken führen können.

Wir peelen, wir cremen und wir stylen. Körperpflege ist tägliche Routine. Aber ob man seinem Körper damit auch wirklich einen Gefallen tut, kommt auf die verwendeten Produkte an. Tausende unterschiedliche Substanzen werden als Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten verwendet. Einige sind harmlos, manche aber eben auch nicht. Diese gelten als Allergieauslöser oder stehen sogar unter Verdacht, Krebs zu erregen.

Riskanter Hormoncocktail

Für die Gruppe, der sogenannten hormonell wirksamen Chemikalien gibt es beispielsweise laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) „immer mehr Hinweise darauf, dass sie zu ernsthaften Gesundheitsrisiken führen können.“ Die Weltgesundheitsorganisation hat hormonell wirksame Chemikalien 2013 sogar als „globale Bedrohung“ bezeichnet. Zu dieser Gruppe zählen unter anderem Parabene als Konservierungsmittel und bestimmte chemische UV-Filter. Die Stoffe dringen über die Haut in den Körper ein und seien vor allem für Föten im Mutterleib, Kleinkinder und Pubertierende schädlich. Hormonell wirksame Chemikalien in Kosmetika werden mit einem Rückgang der Spermienqualität und -anzahl, bestimmten hormonbedingten Krebsarten wie Brust-, Prostata- und Hodenkrebs, verfrühte Pubertät bei Mädchen, sowie Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern in Zusammenhang gesehen.

Zur Gruppe der hormonell wirksamen Chemikalien gehören etwa 550 Chemikalien, die im Verdacht stehen, ähnlich wie Hormone zu wirken. Der am häufigsten verwendete, hormonell wirksame Stoff, heißt Methylparaben und ist ein Konservierungsmittel. Mit dem Ziel der Regulierung solcher Substanzen, schreibt die EU-Kommission seit kurzem Kriterien zur Identifizierung von Hormongiften in ihrer Verordnung 2017/2100 gemäß Biozid-Verordnung fest. Diese gilt seit 7. Juni 2018 in allen Mitgliedsstaaten. Dass dadurch die Stoffe aus den Regalen verschwinden, glauben Experten aber nicht. Es gäbe noch „zu viele Schlupflöcher im Bewertungssystem“, durch die gefährliche Substanzen durchkämen, meint etwa Josef Köhrle, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Und BUND-Referentin Ulrike Kallee sagt: „Aus Sicht des BUND werden diese Kriterien leider kaum dazu beitragen, dass hormonelle Schadstoffe zukünftig schnell erkannt und aus dem Verkehr gezogen werden.“ Die Nachweishürden, um solche Stoffe als Hormongift einzustufen, seien zu hoch. Immerhin: Von 2013 bis 2016 ist der Anteil hormonell wirksamer Substanzen in Kosmetika bereits gesunken.

Ungesunde Kosmetik: Weitere Zutaten

Neben hormonell wirksamen Chemikalien enthalten viele Kosmetika auch Aluminium-Chloride, die als krebserregend gelten, allergen wirkende Duftstoffe oder schädliche Tenside. Auch Paraffine und Polyethylene (Mikroplastik) zählen zu den problematischen Inhaltsstoffen. Dahinter verbergen sich verschiedenste Substanzen. Sodium Laureth Sulfate (SLES) sind zum Beispiel eine der wichtigsten Zutaten synthetischer Kosmetikprodukte. Sie finden sich als Tensid in Shampoos und Duschgels, aber auch als Emulgator in Zahnpasten, Cremen oder Lotions wieder. Bei der Produktion kommen sehr oft umweltschädliche Palmöl-Monokulturen zum Einsatz und für die Herstellung wird Ethylenoxid benötigt, wodurch gesundheitsschädliches 1,4-Dioxan entsteht und laut Experten sogar in minimalen Spuren ins Endprodukt gelangen kann. Das größte Problem bei der Anwendung ist allerdings die hautreizende Wirkung von SLES. Bei Normalkonsum reagiert die Haut mit übermäßiger Rückfettung. Das bedeutet: Dagegen hilft nur mehr (synthetisches) Shampoo – ein Teufelskreis.

Ungesunde Kosmetik: Die Industrie gibt den Ton an

Dass die Hersteller nach wie vor schädliche Inhaltsstoffe verarbeiten dürfen, liegt, laut CULUMNATURA Geschäftsführer Willi Luger an der starken Lobby der Produzenten: „In der Kosmetikbranche ist es die Industrie, die den Ton angibt. Es sind Großkonzerne, die durch ihre Lobbyarbeit versuchen, die Gesetzgebung in ihrem Sinne zu beeinflussen. Letztendlich wird alles so übernommen wie es uns die Industrie ‚verkauft‘.“
Die Liste der Inhaltsstoffe ist oft lang und unübersichtlich. Als Konsument ist es daher schwer, den Durchblick zu bewahren. „Die Inhaltsangaben (INCI) sind für die Masse der Endverbraucher unverständlich in Latein oder mit englischen Fachbezeichnungen geschrieben“, sagt Luger. Auf der sicheren Seite seien Konsumenten aber nur, wenn sie sich mit den Inhaltsstoffen auseinandersetzen und die Kosmetika genau unter die Lupe nehmen. Schlussendlich ist aber der Gesetzgeber gefordert im Sinne der Volksgesundheit klare Inhaltsangaben zu gewährleisten.

Dass Druck von Seiten der Konsumentenschützer durchaus positive Effekte haben kann, zeigt eine Studie von Global 2000 aus dem Jahr 2016: 11% der untersuchten Zahnpasten und 21% der untersuchten Bodylotions enthielten hormonell wirksame Kosmetikinhaltsstoffe. Damit hat sich der Anteil hormonbelasteter Produkte bei Zahnpasten und Bodylotions seit dem ersten Kosmetik-Check 2013/14 etwa halbiert. Global 2000 führt diesen Rückgang auf die eigene Aktion im Rahmen des Kosmetik-Checks zurück. „Besonders freut uns, dass Österreich seit unserem ersten Kosmetik-Check vor zwei Jahren zum europäischen Vorreiter beim Verzicht auf hormonell wirksame Kosmetikinhaltsstoffe wurde.

Tipp: Produktcheck per App

Um Konsumenten zu schützen, hat der BUND eine App entwickelt, die alle Produkte auf hormonell wirksame Chemikalien checkt: ToxFox steht im App Store kostenlos zur Verfügung. Einfach den Produktcode einscannen und schon gibt die App Auskunft darüber, ob hormonell wirksame Stoffe enthalten sind:
www.bund.net/chemie/toxfox

Tipp: Einkaufshilfe

Auf der Webseite von CULUMNATURA finden Sie eine Einkaufshilfe als PDF zum Download, sowie gedruckt bei Ihrem Naturfriseur. Darin aufgelistet sind bedenkliche und unbedenkliche Inhaltsstoffe, deren Funktion und Wirkung: www.culumnatura.at

Foto/Video: Shutterstock.

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Geschrieben von Karin Bornett

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